Eugen David
1987 - 1999 Nationalrat
1999 - 2011 Ständerat des Kantons St.Gallen
Eugen David e/Ständerat
Publikationen zu Recht und Politik

Nationalismus in Europa

04.02.2014

Strache in Österreich, Le Pen in Frankreich, Wilders in Holland, Farage in England, Blo­cher in der Schweiz, Vona in Ungarn, Soini in Finnland, Michaloliakos in Griechenland. Alle haben sie dieselben Parolen und Feindbilder: Ausländer raus. Weg mit dem Euro. Weg mit der EU.

Das Selbstverständnis aller Rechtsnationalen lautet: wir - die Rechtsnationalen - sind die Nation und das Volk, alle andern sind Landesverräter und müssen weg. Wer nicht pariert, wird sanktioniert. Land und Leute werden völkisch seziert. Wer dazu gehört und wem was gehört, bestimmt der Nationalist. Selbstverständlich eignet er sich überall die nationalen Symbole und Mythen für seine Machtinteressen an.

Die Führer rechts­nationaler Parteien wollen den Nationa­lismus als massgebende Ideologie wieder­beleben und sich selbst an die Spitze setzen. Der Nationa­lismus, so wie er vor dem 2. Weltkrieg in Europa dominierte, ist wieder salon­fähig. Die Folgen des ersten Experiments sind be­kannt: Bruderkriege auf dem Kontinent, zwei Welt­kriege mit Millionen Toten.

Trotzdem haben die Nationalisten 60 Jahre nach dem 2. Welt­krieg wieder viel Zu­lauf, in einzelnen Ländern bis zu 30%.

Angst vor Verlust der eigenen Existenz­grundlage macht die Menschen für nationalis­tische Ideologien anfällig. Viele ver­kraften die schnellen Wechsel in Ge­sellschaft und Arbeits­welt schlecht. Die rasante technische Ent­wicklung in Kommunikation, Fertigung, Ad­ministration und Konsum unter­spült die Position des Mittelstands.

Wegen der unüber­blickbaren Änderungen im eigenen Lebens­raum wächst die Angst, auf der Verlierer­strasse zu landen. Auch wenn kein persönlicher Ver­lust eintritt und die Wirtschaft brummt. Dazu kommt der tägliche Frust über die ex­orbitante und schamlose Selbst­bedienungsmentalität der oberen Wirtschafts­führer.

Der Medienteppich trägt das Seine dazu bei. Wenn in Ge­bieten, wo praktisch keine Fremde leben, Feind­schaft und Hass am grössten sind, fragt man sich, woher diese Men­schen ihr Wissen haben. Medien arbeiten sich seit Jahren aus pe­kuniären Gründen mit Verve am Thema ab: Sex, Crime und das Böse aus der Fremde, gut gemixt. Meist ohne Be­zug zur Alltagsrealität. Besonders beliebt als Seiten­füller sind fremde „Sozial­schmarotzer“. Dazu wird wie eh und je Volks­tümelei serviert, Fahnenschwingen und Alphorn­blasen im Sennenchutteli. Nationalistische Bot­schaften lassen sich mit Ziegenböcken besser ver­breiten.

Auf Angst und Frust bauen die Nationa­listen. Sie schüren beides und präsentieren den fremden Sünden­bock, der stets wegnimmt, was mir gehört: den Job, die Be­förderung, die Lohn­erhöhung, das Land, die Wohnung, und schliess­lich den Sitzplatz in der Bahn und die freie Fahrt auf der Auto­bahn.

Die Gründer der EU hatten nach dem 2. Welt­krieg vor allem eins im Auge: durch nationa­listische Parolen soll­ten sich die Menschen in Europa nie mehr auf­einander hetzen lassen.

Viele meinten, das Ziel sei erreicht. Das ist wohl ein Irr­tum.

 

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